Einsam an der Spitze
Du hast 50 Leute, die dir reporten. Du hast dich nie einsamer gefühlt.
My personal story
Die Stille
Niemand spricht über CTO-Einsamkeit. Sie steht nicht in der Job Description. Sie steht nicht in den Leadership-Büchern. Aber wenn ich CTOs coache, kommt sie ständig auf. Nicht in der ersten Session. Meistens in der dritten oder vierten, wenn Vertrauen aufgebaut ist. “Ich fühle mich komplett allein damit.”
Je höher du steigst, desto weniger Leute verstehen, womit du zu kämpfen hast. Dein Team sieht den selbstsicheren Leader. Der CEO sieht den technischen Experten. Deine Familie sieht jemanden, der immer arbeitet. Keiner von ihnen sieht das vollständige Bild.
Das ist keine Schwäche. Das ist strukturell. Die Rolle erzeugt Isolation by Design.
Die CTO-Rolle ist sehr anders als jede andere Rolle, die der Engineer vorher hatte. Bevor er CTO war, konnte er mit Peers über seine Probleme reden, er konnte Probleme, die er nicht lösen konnte, an seinen Chef eskalieren. Der CTO ist die erste Position, in der man gefeuert werden kann, weil der CEO einfach das Vertrauen verliert - nicht wegen der Performance. Politische Spiele setzen ein - und du bist allein.
Warum Tech Leader es schwerer haben
Jede Führungskraft steht vor etwas Isolation. Aber CTOs tragen extra Last.
Du sprichst eine andere Sprache. Die Hälfte deines Jobs ist Übersetzung. Technische Realität Leuten zu erklären, die sie nicht hören wollen. Business-Constraints Engineers zu erklären, die denken, Product ist der Feind. Du bist die Brücke. Brücken sind einsame Orte.
Du kannst deine echten Probleme nicht teilen. Deinem Team erzählen, dass du dir Sorgen um die Architektur machst? Jetzt machen sie sich auch Sorgen. Dem CEO sagen, dass du nicht sicher bist, ob du liefern kannst? Das ist ein Karrieregespräch. Deinem Partner vom Production Incident um 2 Uhr morgens erzählen? Die Augen werden glasig. Die Probleme, die du trägst, sind deine allein.
Das Imposter Syndrom trifft anders. Die meisten CTOs sind durch technische Exzellenz hierher gekommen. Jetzt machst du einen Job, für den du nie trainiert wurdest. Menschen managen, Politik navigieren, vor Boards präsentieren. Jeder Tag fühlt sich wie ein Test an, für den du nicht gelernt hast. Und du kannst es nicht zugeben.
Gründer und Co-Founder ziehen weiter. In Startups hattest du vielleicht den Gründer oder CEO als echten Peer. Jemand, der das frühe Chaos verstand. Dann wächst das Unternehmen. Er wird beschäftigter. Du wirst beschäftigter. Die Beziehung verkümmert. Jetzt leitest du eine Abteilung, baust nicht mehr zusammen etwas auf. Gründer gehen, Professionals übernehmen und der VC steigt ein. Keiner von ihnen teilt eine Geschichte mit dir.
Die Burnout-Verbindung
CTO-Burnout und Einsamkeit befeuern sich gegenseitig. Ich habe es mehrmals gesehen. Manchmal kommen Leute zu spät zu mir.
Es beginnt mit Überforderung. Zu viele Entscheidungen, zu viele Leute, zu viele Brände. Du arbeitest länger, um mitzuhalten. Die längeren Stunden gehen auf Kosten von Beziehungen. Weniger Beziehungen bedeutet weniger Support. Weniger Support bedeutet mehr Stress. Mehr Stress bedeutet mehr Burnout.
Der Zyklus beschleunigt sich. Irgendwann läufst du auf Reserve, mit niemandem zum Erzählen und ohne Energie, dich zu melden, selbst wenn du wolltest. Die Isolation wird komplett. Und es gibt keinen Ausweg in Sicht.
Die meisten CTOs, die ausbrennen, sehen es nicht kommen. Sie sind zu beschäftigt mit Coping, um das Muster zu bemerken. Sie denken, sie haben nur ein hartes Quartal. Dann ein hartes Jahr. Sie denken, so ist der CTO-Job eben. Dann steigen sie aus.
Die Warnsignale:
- Sonntags-Angst, die nie nachlässt
- Wut über Unterbrechungen, die früher Routine waren
- Entscheidungen fühlen sich unmöglich an, selbst kleine
- Du hast aufgehört, dich für Dinge zu interessieren, die du früher geliebt hast
- Du siehst nicht, wie du da rauskommst
- Körperliche Symptome: Schlafprobleme, Kopfschmerzen, Engegefühl in der Brust
Wenn diese Liste nah dran ist, pass auf.
Was wirklich hilft
Ich habe CTOs verschiedene Dinge ausprobieren sehen. Manche funktionieren. Manche nicht.
Peer Groups funktionieren. Andere CTOs, die dasselbe durchmachen. Kein Kontext nötig zu erklären. Kein Risiko für deinen Ruf. Einfach Leute, die es verstehen. Die CTO-Gruppen, die ich am besten funktionieren sehe, sind klein (5-8 Leute), regelmäßig (monatlich) und vertraulich. Peers zu finden ist nicht einfach, aber es ist die Suche wert.
Teilen funktioniert. Baue besser Beziehungen und Vertrauen mit anderen Executives auf - teile mit denen, denen du vertraust, frag um Rat und hör ihnen zu.
Eine Vertrauensperson funktioniert. Nicht jemand, der dir reportet. Nicht jemand, dem du reportest. Jemand außerhalb des Systems, der die volle Wahrheit hören kann. Ein Coach, ein Mentor, ein alter Kollege, der das durchgemacht hat. Eine Person, die das vollständige Bild bekommt, kann die Isolation durchbrechen.
Sport funktioniert, aber nicht aus den Gründen, die Leute denken. Ja, Endorphine. Aber der echte Wert ist, etwas zu haben, das nicht Arbeit ist. Ich gehe jeden Morgen zum Strand. Etwas, wo du nur ein Körper bist, kein CTO. Laufen, Schwimmen, Gewichte - egal was. Die mentale Pause ist der Punkt.
Grenzen funktionieren, irgendwann. Schwerstes Ding für ambitionierte Leute. Die Arbeit dehnt sich aus, um alle verfügbare Zeit zu füllen. Wenn du keinen Raum für dich schützt, wird es keinen geben. Das fühlt sich egoistisch an. Es ist eigentlich Überleben.
Was nicht funktioniert: So tun, als wäre alles okay. Härter arbeiten. Trinken. Isolation als Coping-Strategie. Ich habe das meiste davon probiert. Nichts davon hat geholfen.
Du musst das nicht alleine tragen
Die größte Lüge, die Tech Leadership erzählt, ist, dass du alles selbst handhaben solltest. Dass Support zu brauchen Schwäche ist. Dass Isolation einfach der Preis des Jobs ist.
Ist es nicht.
Die stärksten Leader, die ich kenne, haben Support-Systeme. Coaches. Mentoren. Peer Groups. Therapeuten. Jemanden, bei dem sie ehrlich sein können. Jemanden, der ihnen hilft, klar zu denken, wenn der Druck am höchsten ist.
Wenn du dich überfordert, ausgebrannt oder einfach allein in dieser Rolle fühlst - das ist kein persönliches Versagen. Das ist ein strukturelles Problem. Und strukturelle Probleme brauchen strukturelle Lösungen.
Bereit zum Reden?
Ich war der einsame CTO. Ich weiß, wie es sich anfühlt. Jetzt coache ich Tech Leader durch genau das - die Isolation, die Überforderung, das Burnout-Risiko. Vertraulich. Ohne Urteil. Wenn du jemanden in deiner Ecke brauchst, der die Last versteht - lass uns reden.
TL;DR: CTO-Einsamkeit ist strukturell, keine persönliche Schwäche. Die Rolle erzeugt Isolation by Design: du sprichst eine andere Sprache als Engineers und Executives, du kannst echte Probleme nicht teilen ohne neue zu schaffen, und das Impostersyndrom trifft härter wenn du einen Job machst, für den du nie trainiert wurdest. CTO-Burnout und Einsamkeit verstärken sich gegenseitig in einem Kreislauf, der eskaliert bis Leute aussteigen. Was hilft: Peer Groups mit anderen CTOs, eine vertraute Person außerhalb des Systems (Coach/Mentor), Sport als mentale Pause, Grenzen die persönliche Zeit schützen.